|
Laudatio „Goldener Wasenaff 2025“
Sehr verehrte Gäste, Freunde des WCC, Vertreter befreundeter Vereine, liebe Preisträger des „Goldenen Wasenaffs“, politische Amtsträger, sehr geehrter Oberbürgermeister Johannes Arnold und Vertreter der Presse, für die Laudatio zur heutigen Verleihung des „Goldenen Wasenaffs 2025“ bitte ich um Ruhe und Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.
Hierfür schließen wir nun auch bitte die Türen.
Heute haben wir uns hier versammelt, um einen ganz besonderen Ort und einen ganz besonderen Verein zu würdigen – einen Ort, der seit vielen Jahren zeigt, dass große Kunst nicht zwingend große Säle braucht. Einen Ort, an dem Leidenschaft, Kreativität und Gemeinschaft denselben Wert haben wie Scheinwerfer, Kulissen und Applaus.
Unsere Wahl des neuen Preisträgers fiel dieses Mal auf die „kleine bühne ettlingen e.V.“ Bei der Aufarbeitung der Historie fiel uns gleich auf, dass sie dieses Jahr ihr 44-jähriges Bestehen feiern; zu diesem närrischen Jubiläum an der Stelle einen herzlichen Glückwunsch.
Was die „kleine bühne“ auszeichnet, ist ihre besondere Atmosphäre: familiär, nahbar und zeitgleich voller Professionalität. Die Ernsthaftigkeit, mit der hier Schauspielerei betrieben wird, basiert auf dem Herzblut, das jeder hier mit einbringt.
Unter der Leitung der Vorsitzenden Gerhard Kessler, danach Werner Kern, dann Carmen Inka Steiner und nach Matthias Hüther aktuell Elisabeth „Liesel“ Görtz und dem heutigen künstlerischen Leiter Daniel Frenz schaffen es alle 42 aktiven Mitglieder, zu unterhalten, zu berühren oder uns zum Nachdenken zu bringen.
Die gebührende Wertschätzung erfährt die „kleine bühne“ nicht nur durch das Publikum, sondern auch durch die Unterstützung durch den Förderverein „Freunde der Kleinen Bühne“ und durch zum Beispiel die Verleihung des Sybillatalers, die höchste städtische Auszeichnung in Ettlingen als Anerkennung für die Theaterleidenschaft in Reinform.
Und weil gute Arbeit geschätzt wird gibt es auch mehrere Kooperationen. Hier möchte ich die Märchentruhe Malsch, die Theatergruppe „Lampenfieber“ der Volkshochschule Ettlingen und, nicht zu vergessen, die „Grauen Zellen“ von Fritz Pechovsky erwähnen. Gerade als Gründungsmitglied der „kleinen bühne“ wäre er gern dabei gewesen, aber sein Termin- und Urlaubsplan war auch nach seinem 100. Geburtstag schon vollgeschrieben.
Und ich könnte mir vorstellen, dass die Veranstaltung ein gutes Stück länger gedauert hätte, wäre er heute dabei.
Doch zurück zur Theaterkunst. Als einziges Theater in Ettlingen hat die „kleine bühne“ einen festen Spielort mit über 70 Sitzplätzen. Wer ihn noch nicht kennt: er befindet sich um Untergeschoss der Sporthalle des Eichendorff-Gymnasiums. Mit bis zu 60 Aufführungen im Jahr, einmaligen Gastspielen, u. a. im Kulturhaus Osterfeld in Pforzheim und im Sandkorn Theater in Karlsruhe, sind sie ja fast schon hyperaktiv. Denn man darf nicht vergessen: es kommen pro Stück noch Proben von über einem halben Jahr dazu.
Auch die Auswahl der Stücke ist maßgeblich, ob die Aufführungen ein Erfolg werden. Es geht nicht immer um leichte Kost, sondern auch zum Beispiel „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, das Thema Kindesmissbrauch oder auch das Thema Kunst. Bei diesem gleichnamigen Stück stritten sich die 2 Hauptdarsteller ohne Pause und so überzeugend über ein weißes Bild (also weißes Motiv vor weißem Hintergrund), dass in der Pause eine ältere Dame angetan und etwas in Rage lautstark und streitlustig die Gäste unterhielt und dann die Vorstellung verlies. Frei nach dem Motto von Oscar Wilde: Das Stück war ein großer Erfolg. Nur das Publikum ist durchgefallen!
Professionell war es auch, wie die Situation mit dem Wasserschaden während einer Aufführung gehandhabt wurde: einen Eimer hingestellt, die Situation ins Stück eingebaut und weiter gings!
Aber auch alle Bau- und Umbaumaßnahmen, Licht, Technik und Ton werden selbst gestemmt. Hier ist neben Werner Kern Berthold Steiner zu erwähnen, der von dieser Position nicht mehr wegzudenken ist.
Doch genauso wichtig wie künstlerische Arbeit ist die soziale. Die „kleine bühne“ schafft Begegnungen. Sie bringt Menschen aller Altersgruppen zusammen, formt Freundschaften, lässt Talente wachsen und bildet eine Gemeinschaft, die weit über den Bühnenrand hinausstrahlt. Gerade in Zeiten, in denen kulturelles Engagement oft um Anerkennung kämpfen muss, ist ihr Wirken ein bedeutendes Beispiel dafür, wie unverzichtbar Kulturvereine für unser gesellschaftliches Miteinander sind.
All das, um Ihnen, geschätzte Ettlingerinnen und Ettlinger die Möglichkeit zu geben Schauspiel und handgemachte Kunst hautnah zu erleben und zu erkennen: auch eine „kleine bühne“ kann großes Theater machen!
In den Zeiten von gehypten Influencern, TIKTOK-Stars und allem anderen, was sich sonst noch unter dem Mantel der künstlerischen Freiheit versteckt, ist das hier die große Schule. Und ohne die „kleine bühne“ wäre Ettlingen um ein Kronjuwel ärmer, wie es unser Oberbürgermeister a.D. Erwin Vetter seinerzeit richtig einsortierte.
Lassen Sie mich die Laudatio auf unseren diesjährigen Preisträger mit einem weiteren Zitat, dieses Mal von dem Literaturkritiker Gustav Seibt abschließen:
„Das Theater ist das schönste und älteste Lügengewerbe der Welt. Ein wunderbarer Zauberkasten: es zeigt wirklich, was in Wirklichkeit nicht ist. Hamlet stirbt und geht anschließend Spaghetti essen!“
Ich wünsche Ihnen, und natürlich der „kleinen bühne“, nach wie vor viele Überraschungen aus dem Zauberkasten, verbunden mit dem gebührenden Erfolg und Wertschätzung des Publikums, in Ettlingen und über die Stadtgrenzen hinaus.
Im Namen aller, die durch die „kleine bühne“ zum Lachen, Nachdenken oder Staunen gebracht wurden, sage ich heute DANKE!
Danke für euer Engagement, euren Mut, eure Kreativität. Danke für all die Stunden, die ihr schenkt, um anderen unvergessliche Momente zu bereiten. Danke für die Kunst – und für die Menschlichkeit, die sie trägt.
Ich bitte nun unseren Preisträger hier vor das Publikum zu treten.
Kommen wir zur offiziellen Preisverleihung. Hier verlese ich den Text der Urkunde:
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit bedanken wir, der Wasener Carneval Club Ettlingen, uns bei unserem Preisträger. Wir bedanken uns für das besondere Engagement und die hochwertige kulturelle Bereicherung in und für Ettlingen.
Wir verleihen den Goldenen Wasenaff 2025 an die „kleine bühne e.V., verbunden mit einer Geldspende von 555,- € Herzlichen Glückwunsch
Michael Eisele (Vizepräsident)
|