Laudatio des Elferrates Thomas Jäger
zur Verleihung des „Goldenen Wasenaff“ anlässlich
der Ordensmatinee am 6. Januar 2007

Verleihung des „Goldenen Wasenaff 2006“ im Rohrersaal, Schloss Ettlingen

Einen wunderschönen Guten Morgen verehrte Gäste, im Rahmen der diesjährigen Ordensmatinee werden wir heute zum 26. Male den Goldenen Wasenaff verleihen. Diese traditionelle Auszeichnung mit ihrem besonderen Charme und Charakter wird an Personen aus dem öffentlichem Leben in Ettlingen verliehen und ist für unseren Verein ein wichtiger Bestandteil in seiner Fastnachtskampagne
Zurückliegende Preisträger waren u.a. Albert-Georges Olbrechts, Dr. Erwin Vetter, Brian Chislett und Dr. Günther Eichkorn, Heinz Becker, Irma Schlegel, Fam. Strunk, Gisela Krittian und der letztjährige Preisträger das Seniorenkabarett „Die Grauen Zellen“.

Ideen und Vorschläge wurden im vergangenen Jahr sehr genau begutachtet, diskutiert und ausgewertet. Ende des Jahres wurde dann eine endgültige Entscheidung getroffen. Diese, so hoffen wir, passt bestens auch zu unserem Wahlspruch „Wir sind Ettlingen“.
Nachdem wir im letzten Jahr eine Gruppe ausgezeichnet haben, können wir Ihnen jetzt schon verraten, dass es sich in diesem Jahr um einen männlichen Preisträger handelt.

In seinem Lebenslauf ist folgendes zu lesen. Laut Passeintrag 1945 in Buchen geboren. Wenig beaufsichtigte, daher schöne Kindheit im proletarischen Milieu der Karlsruher Altstadt. Mäßiger, dem Aufwand entsprechender Volksschulabschluss. Als Pubertierender zur See gefahren, von den Fernweh-Schnulzen eines Freddy Quinn inspiriert. Danach viele unqualifizierte Erwerbstätigkeiten, auch vergebliche Weiterbildungsversuche. Zeitweise durchaus angenehm den Überblick verloren. Schubartiger, später Bildungsdrang. 1968 wundersames Abitur als so genannter Schulfremder am Karlsruher Helmholtz-Gymnasium, dem er sich seither verbunden fühlt. Studium der Romanistik und Anglistik für das Lehramt an Gymnasien. Referendarzeit. Zweites Staatsexamen. 1979 Trennung vom Arbeitgeber zur beiderseitigen Erleichterung. Erlebt seit 1980 das tägliche Wunder der freien Schriftstellerei. Polizeilich gemeldet und wahlbeheimatet im beschaulichen Ettlingen.

Begrüßen Sie mit uns den stadtbekannten Wahl-Ettlinger und Autor der Mundart Harald Hurst.
Vor uns steht von ihm ein Markenzeichen. Ein Stuhl, ein Tisch und ein Fläschchen Wein, Roter natürlich. Alles vorbereitet für ein Event, er mag nicht wenn man es Lesung nennt.
In unserem Vorgespräch sagte er zu mir: „Weisch, wenn ich uff oimol Sprudel anstatt Wein trinke würd, dätä Leut sagen, der hat schlechte Leberwerte“. Schon aus dem grund kann ich beruhigt sagen, Prost auf unseren diesjährigen Preisträger Harald Hurst !

Als Innenstadtbewohner, wohnhaft in der Markstraße, direkt im Herzen von Ettlingen fühlt er sich wohl und schätzt die Art von den Leuten in unserer Heimatstadt. Genug Stoff für neue Geschichten sammelt er z.B. während des Weihnachtsmarkts beim Glühweinstand vom Adolf Brock oder beim Rundgang durchs Ettlinger Marktfest. Dort hört er die Leut schwätzen oder babbeln. Eben die ganz normalen Leut von nebenan. Es sind diese vielen kleinen Dinge des Lebens, die Harald Hurst in seinen Geschichten und Gedichten verarbeitet, die fast banalen Augenblicke und Tücken des Alltags. Mit seiner „badischen Gosch“ formuliert er diese kleinen Szenen so hautnah, so echt, so authentisch, dass man meint, man stünde direkt daneben. Die herrlichen Texte entstehen mit viel Wortwitz und intelligenter Komik. Das macht ihn so populär.
In über 9 Bücher wurden die „Katastrophen des Daseins“ bereits veröffentlicht. Vor kurzem erschien sein neustes Werk „Des elend schöne Lebe“. Darin zu lesen sind Geschichten u.a. vom Herr Sohn, vom Landsmann und vom Apfelschorletrinker. Weitere Literaturwerke waren und sind „Ich bin so frei“, „Komm, geh fort“, „Daß i net lach“ um nur einige zu nennen. Zudem tingelt er mit über 120 Veranstaltungen im Jahr durch die Lande. Nennenswert ist zudem auch, dass er ein Theaterstück mit dem Titel „Fuffzich“ verfasste. Dargeboten im Sandkorntheater in Karlsruhe feiert es nach wie vor große Erfolge.

Besonders gut wirken Nachdenklichkeit und Sprachakrobatik des Schriftstellers und Komikers Harald Hurst, wenn man sich dazwischen aufgefangen und geschmeichelt fühlt durch Musik. Dies wird schon über 10 Jahre bei Auftritten mit dem Musiker und Kabarettisten Gunzi Heil dargeboten. Weitere Partner sind Helmut Neerfeld, Kuno Bärenbold und Volker Schäfer um nur einige zu nennen.
Ausgezeichnet mit einigen Mundartpreisen, dem Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg, dem Stipendium des Ministeriums für Kunst und Wissenschaft sowie 1993 mit dem Thaddäus-Troll-Preis.

Lieber Harald Hurst,
als Mundartdichter mit badischer Zunge und Wahl-Ettlinger erfüllen Sie sämtliche Voraussetzungen als Preisträger. Ihre bekannten Literaturwerke und die damit verbundenen Lesungen, auch Event genannt, präsentieren Sie einem breiten Publikum und verschaffen damit unserer Heimatstadt Ettlingen einen weiten Bekanntheitsgrad. Ein ganz wichtiger Aspekt ist aber für uns der Erhalt der beliebten Badischen Mundart.

Wir dürfen Ihnen heute den Goldenen Wasenaff 2006 überreichen. Die Auszeichnung ist mit 333 Euro dotiert. Herzlichen Glückwunsch !